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Lisettes Standpunkt zur Vornehmheit

von Alma Mühlhausen

Lisette, eine Magd vom alten bergischen Schlag, diente bereits fünf Jahre im Hause eines Exportkaufmanns, als sie erklärte, sich verändern zu wollen. Da man Lisettes Dickschädel kannte und wusste, dass es vergeblich war, das tüchtige Mädchen umzustimmen, musste man es wohl oder übel gehen lassen. Bekannte hatten Lisette auf eine „Stelle" im Hause eines Sägenfabrikanten aufmerksam gemacht und den gediegenen, echt bergisch geführten Haushalt in höchsten Tönen gepriesen. So stellte sich die „Perle" eines Tages dann vor. Die Frau des Hauses, der Lisettes Personalakten hinreichend bekannt waren, besann sich keinen Augenblick, das Mädchen einzustellen. Und was die Lohnfrage betraf, zeigte sich die Fabrikantenfrau großzügiger als die vorige Herrschaft. Schon wurde der Mietstaler bereitgehalten, um, der damaligen Sitte gemäß, den Mietvertrag abzuschließen. Da fragte Lisette: „Madamm, wie is et dann mit dem Ausgang? Auf der vorigen Stelle hatte ich jeden zweiten Sonntag frei."

„Bei uns haben Sie jeden Sonntagnachmittag frei, Lisette. Aber Sie dürfen mich nicht mit Madamm anreden. Das sind vornehme Fisematenten, die bei uns nicht üblich sind. Bei uns geht es ordentlich, aber einfach zu. Die Mädchen werden bei uns zur Familie gerechnet und nehmen auch mit uns die Mahlzeiten ein."

Bei den letzten Worten der Fabrikantenfrau hob Lisette den Kopf mit der schweren Flechtkrone und schaute ihr Gegenüber mit einem undefinierbaren Blick an. „Ne, Madamm, dann is dat nix for mich", erklärte das Mädchen mit einem geringschätzigen Lächeln um den Mund. „Wo et so gewöhnlich hergeht, zieh ich nit hin."

Und bevor die Dame recht verstanden hatte, war Lisette mit einem „Adjöh un nix for ungut" verschwunden. (aus: „Der Heimat zur Ehre. Bergischen Anekdoten und Geschichten“, 1960, von  Alma Mühlhausen. Mit freundlicher Nachdruckgenehmigung der Erbin Erika Kleuser)


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