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Die Ostberliner Polizei hat uns nach Westberlin geschickt

Subramaniam Anandarajah, geboren am 20. Mai 1951 in Jaffna / Sri Lanka, seit 1982 in Remscheid:

Jaffna liegt auf einer Halbinsel nördlich von Sri Lanka und „grenzt an die Palkstraße. Der Bürgerkrieg in Sri Lanka ist ein andauernder bewaffneter Konflikt zwischen tamilischen Separatisten, auf der einen und dem srilankischen Militär auf der anderen Seite. 1948–49 werden Gesetze zur Ausbürgerung der seit über 100 Jahren im Land ansässigen Indien- Tamilen beschlossen, die zu Uneinigkeit innerhalb der Regierung führen. Es gibt Abspaltungen und Parteigründungen. Die SLFP gewinnt die Parlamentswahl im Jahr 1956, wobei sie von einer Welle des singhalesischen Nationalgefühls getragen wird. Die SLFP-Regierung versucht, mit ihrer Politik die „Singhalisierung“ der Insel zu bewirken. In den folgenden Jahren und Jahrzehnten kommt es immer wieder zu Ausschreitungen gegen Tamilen, bei denen die Armee ein Massaker an der tamilische Bevölkerung anrichtete.

Vor allem in den 70er Jahren verschärft sich der Konflikt zwischen den beiden Volksgruppen weiter; er wird durch die Verfassungsreform von 1972 zementiert. Die UNP, bestehend aus Singhalesen, Tamilen und Muslimen, siegte 1977 mit verfassungsändernder Mehrheit. Der Präsident verweigerte den tamilischen Abgeordneten ihre quotenmäßig garantierten Parlamentssitze unter dem generalisierten Vorwurf des Separatismus und erklärte sie sämtlich zu Staatsfeinden. Ferner veränderte er die Verfassung und setzte sich an die Spitze eines Präsidialsystems nach französischem Vorbild. Dadurch eskalierte der Konflikt zwischen Tamilen und Singhalesen ab 1983.

Als Anfangsdatum des Bürgerkriegs wird meist der 23. Juli 1983 angenommen. Von 2001 bis 2004 entspannte sich die Lage erstmals seit 20 Jahren, jedoch liegt eine politische Lösung noch immer in weiter Ferne, da beide Seiten hartnäckig an ihren Positionen festhalten.

Ich bin Tamile. Ich bin in Jaffna acht Jahre lang zur Schule gegangen. Danach habe ich angefangen zu arbeiten, eine Ausbildung habe ich nicht gemacht, zumindest nicht so wie das in Deutschland verstanden wird. Ich habe Zigarren gefertigt und Lebensmittel verkauft. Ich habe fünf Geschwister, einen Bruder und vier Schwestern. Es war nicht immer einfach, der Konflikt der Singalesen und Tamilen schwelte auf Sri Lanka bereits seit 1956. Aber ich bin bis 1981 meiner Arbeit nachgegangen.

1979 habe ich geheiratet. 1980 wurde unser erster Sohn geboren, 1982 der zweite Sohn. Da war ich aber nicht mehr zuhause. In diesen Jahren war der Beginn der Eskalation des Bürgerkrieges. Jeden Tag mussten Männer damit rechnen, rekrutiert oder von Singalesen bedroht zu werden. Auch ich hatte jeden Tag Angst. Da habe ich mich entschlossen, das Land zu verlassen. Ich wollte nach Dubai. Dort lebten viele Tamilen. Dort arbeiteten auch viele Tamilen. Aber es gab auch Meldungen, dass in Dubai keine Arbeitsmöglichkeiten mehr für Tamilen sind.

Ich bin dann zusammen mit anderen Tamilen über Pakistan nach Deutschland gekommen. Wir sind am 7. Januar 1982 in Ostberlin gelandet. Die Ostberliner Polizei hat uns in einen Zug gesetzt und nach Westberlin geschickt. In Westberlin haben uns Passanten weitergeschickt nach Dortmund, dort gäbe es eine Anlaufstelle für uns. In Dortmund angekommen, haben wir politisches Asyl beantragt. Nach ungefähr drei Monaten, im April 1982, bin ich in Remscheid angekommen. Von der Stadt wurde ich in das Übergangswohnheim Neuenkamper Straße eingewiesen. Dort lebten alleinstehende Männer. Ich war hier in Remscheid der erste und einzige Tamile.

Eine Verständigung funktionierte nur in englischer Sprache. Deutschkenntnisse hatte ich keine. Wenn Englisch nicht reichte, verständigte ich mich in der internationalen Sprache, also mit Händen und Füßen. Das war unbefriedigend und komisch, führte auch nicht immer zum gewünschten Ergebnis. Ich sprach regelmäßig bei der Ausländerbehörde vor. Dort gab es sprachlich für mich kein Problem, dort arbeitet eine Frau Pixberg, die englisch sprach. Später, als andere Tamilen nach Remscheid kamen, habe ich oft als Dolmetscher bei Ausländerbehörde und Sozialamt geholfen, tamilisch – englisch. Deutsch konnte ich nicht genug.

Als Asylbewerber war es mir nicht gestattet zu arbeiten, zumindest in den ersten fünf Jahren nicht. Im September 1986 kamen meine Frau und meine beiden Söhne nach Remscheid. Sie lebten anfangs auch in dem Übergangswohnheim Neuenkamper Straße, aber nur kurz, dann sind wir alle zusammen im Oktober 1986 umgezogen in die Baisieper Straße. 1989 wurde meine Tochter geboren.

1990 erhielt ich endlich die Arbeitserlaubnis. Ich habe mich sofort auf Arbeitssuche gemacht. Ich habe dann im Hotel Tocksiepen auch eine Anstellung gefunden, eigentlich als „Mädchen für alles“. Im Hotel Tocksiepen habe ich zwölf Jahr elang, bis 2002. Dann musste ich mir eine neue Stelle suchen. Ich fand im Hotel Mercury hier in Remscheid eine Anstellung. Seit letztes Jahr April arbeite ich bei Mercury in Düsseldorf, der Standort Remscheid wurde aufgegeben.

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1992 wurde mir von der Ausländerbehörde erstmals eine Aufenthaltsbefugnis erteilt. Es gab einen Erlass des Innenministers dazu. Meine Familie und ich erfüllten die Voraussetzungen des Erlasses. 1999 habe ich die unbefristete Aufenthaltserlaubnis beantragt und erhalten. Seit 2002 bin ich eingebürgert.

Die deutsche Sprache habe ich durch Gespräche mit Deutschen gelernt und durch Arbeitsanweisungen, einen Sprachkurs habe ich nicht besucht. Meine Deutschkenntnisse sind für den Alltag ausreichend.

Als ich damals hier in Deutschland ankam war Winter. In Sri Lanka empfinden wir Temperaturen von 17 ° Grad schon als kalt und winterlich. Schnee und Eis, das war für mich neu, aber ich habe mich dran gewöhnt. Natürlich hatte ich Heimweh, hier war so vieles anders. Insbesondere das Familienleben hier in Deutschland ist anders, die Freiheiten der Jugendlichen sind in Sri Lanka nicht so groß wie Deutschland, aber auch das habe ich gelernt. Und manchmal ist das auch gut. Meine Kinder haben alle eine gute Schulbildung und Ausbildung hier, mein Ältester studiert Jura in Bonn, mein zweiter studiert Bauingenieur in Leipzig und mein Tochter besucht die Sophie Scholl Schule. Sie will ihr Abitur machen.

Hier in Remscheid ist es sicher, die Kinder können zur Schule gehen, ohne dass ich mir Sorgen machen muss. Hier läuft alles korrekt. Das findet man nicht in Großstädten. Wir haben das gesehen.

Wir sind Hindus und sind früher oft in andere Städte, z.B. Hattingen gefahren, zu unseren Hindugemeinden. Jetzt können wir nach Wuppertal in die Hindugemeinde „Amakovil“. Religion ist schon wichtig, spielt aber in unserem Leben nicht eine so große Rolle. Viele Rituale des Lebens der Deutschen und der Tamilen sind vergleichbar. Wenn ich etwas nicht verstand, habe ich mir erklären lassen. Ich habe immer wieder nette Menschen hier in Remscheid gefunden, die mir gerne geholfen haben. Insbesondere die Familie Schenk stand mir am Anfang hier in Remscheid in vielen Dingen zur Seite. Seit 2002 wohnen wir in Lennep, in der Augustenstraße. Ich fühle mich hier in Remscheid wohl, meine Familie auch.


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