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Die Rechnung des Kälkers

von Alma Mühlhausen

Vor der Jahrhundertwende wohnte im Hatzelangk der Maurer Wilhelm W., der sich aufs Kalken spezialisiert hatte. Als er einmal den Auftrag erhielt, einem kleinen Fachwerkhaus ein sauberes Kleid zu pinseln, wünschte der Auftraggeber, der in Elberfeld wohnte, ihm die Rechnung nach dort zu schicken. Als das Haus im frischen Gewand prangte, kratzte sich der Welm den angetrockneten Kalk von seinem Schädel, und ein Donnerkiel nach dem andern flog über die bärtigen Lippen des Spezialisten. Eine Rechnung schreiben . . .? Ne, das hatte unser Alter noch nie gemacht. Er wusste wohl mit dem Wittquast umzugehen, aber mit der Feder? Und mit der Formulierung kam der braue Müerer schon gar nicht zu Recht. Hoch und heilig schwor der Welm, niemals mehr einen Auftrag entgegenzunehmen, nach dessen Vollführung er eine Rechnung schreiben müsse.

Doch als der Welm noch einige Dutzend Donnerkiele vom Stapel gelassen hatte, kam ihm ein Einfall. Er setzte sich an die wurmstichige Kommode und schrieb mit ungelenker Hand: „46 Quadratmeter weiß geweißt und 12 Quadratmeter schwarz geweißt." (aus: „Der Heimat zur Ehre. Bergischen Anekdoten und Geschichten“, 1960, von  Alma Mühlhausen. Mit freundlicher Nachdruckgenehmigung der Erbin Erika Kleuser)

Gerne weitere Beitrage auf Platt im Waterbölles

Wer Lust hat, Remscheider Platt „te kallen“, ist am Dienstag, 24. April, 18.30 Uhr, in der Denkerschmette an der Kippdorfstraße herzlich willkommen, Denn das Durchschnittsalter dortige Kreis der Plattkaller wird unvermeidbar größer und der Kreis gleichzeitig kleiner. Ein biologischer Automatismus. Stadtführer Klaus Schmidt dürfte daher mit seiner Prophezeiung „Wir können das Platt unter uns pflegen, aber nicht in die nächste Generation retten" durchaus recht haben. Vergangenen Dienstag traf sich ein gutes Dutzend Plattkaller in der Denkerschmette, um einen Weg gegen die sprachliche Auszehrung zu finden. Keine leichte Aufgabe, auch wenn sich Susanne Marquardt vom Schmetten-Team der Denkerschmette, die zu dem Treffen eingeladen hatte (ein weiteres soll es am 26. Juni ab 19 Uhr geben) optimistisch gab. Interesse für das Remscheider Platt in den Schulen wecken? Klaus Schmidt meldete Zweifel an: „Die Lehrer, die selbst kein Platt mehr sprechen, können dafür auch Schüler interessieren!“

Christian Wüster, Vorsitzender der Lüttringhauser Volksbühne, war da optimistischer und verwies auf die jungen Leute, die zu den Theateraufführungen nach Lüttringhausen kommen. „Wenn wir unsere schöne Mundart nicht jetzt professionell weitergegeben, hat sich das Thema in ein paar Jahren erledigt!“, meinte er." Da fand der Bericht von Sabine Marquardt Anklang, die Stadtbibliothek habe den Mundartfreunden Lesestunden „op Platt" angeboten. Zugleich wünschte sich Sabine Marquardt einen Nachfolger für den verstorbenen Plattkaller Bernhard Hütt als Verfasser mundartlicher Geschichten und Dönekes in der Lokalzeitung. Und auch über ein Kochbuch mit bergischen Rezepten auf Remscheider Platt soll nachgedacht werden.

Unter den Gästen war am Dienstag in der Denkerschmette auch. Cornelia Schmidt, den Leserinnen und Lesern des Waterbölles besser bekannt als „Et Klärchen“ (Zeichnung links), das sie ihrer Urgroßmutter gewidmet hat. Ihr aktueller Beitrag im Waterbölles ist vom vergangenen Mittwoch. Der lädt auch andere Plattkaller zu heiteren oder besinnlichen Beiträgen auf Platt herzlich ein.

De Güös vam Klärchen

Dat Klärchen hat wiar wat jemakt. Für en paar Weeken har ech enn Aanruop vam Angelverein jekregen. De Güös han am Water drei Eier affjeleit, evver jenau do wo die Angeln wuolen. Ob ech die affhollen wual, för enn ordentleche Portion Schmeerbrei för den Kaal. Jo datt han ech dann och jemakt.

Datt woaren Eier van de Kanada-Guos. Staatse Dier sind datt, evver em Bergesche nit tehiemen. För de Brodpann woaren de Eier völl te schad. Ech han joo in de Katekomben en Inkubator tum utbruoden. Ech han se ess do drin jedonn unn bin seit enn paar Weeken am bruoten. Ech mut se drehen un wässern un och moals affküahlen looten. Ob ett jett gitt, datt glüaf ech nit, bim durchleuchten, datt hitt schieren, sin ech nix. Am 28. Dag suolen se schlüppen. Na ja wenn ett nix geit, dann es ett su wie ett ess. Obwohl datt wür för mianen Gaaren nett, dann gütt ett nich miar so föll Schneelen emm Schloot.  Ess affwaaren watt datt gütt.

Mett ussern nieuen Nachbarn ess och jett schwierig. Die dälwen türkisch unn hand völl Besüök am Weekenend. Jetzt woaren see bie demm Weeder och emm Gaaren und wuolen grellen. Datt woar enn Gedüöns, do hand se iarschtemol enn paar Deckenpaneelen verstookt und später dodrob jegrillt. Ech wuol grad watt röberruopen, ob se och noch de aulen Socken vam Kaal mett verstooken wuolen, datt jütt noch miar Qualm und Galm noo Stenkkees. De Möschen fallen jetzt schon duot vam Buam bie demm Daump denn se maaken. Evver de mian Jong de Pitter seet, sinn still, lott se in Ruah, datt hüart och gliek opp. Sinn nitt so büos zu de nieuen Nachbarn, die müaten sech noch einfinden, die mianen datt nech schleit.

Ech bin evver och in letzter Tied arch nerwös. Ech schloop schleit, hann völl Kopp-Piene unn binn am kräntefießen. De Kaal hätt dodrunger de liaden. Wenn ech wiar rechteg in Fahrt bönn, dann seet he emmer,  wenn dee „Darth Vader“ de schwatte Keärl vam Starwars owens een ett Bedde giat, dann kiekt he iarschtmol noo, opp du doo drunger liass.

Evver bald sin Feregen för dat Klärchen un den Kaal. Es giat an de See. Irgendwo bie Cuxhaven ech har ett vergieaten wie ett hitt. Unn wenn de Güös schon do sinn,  nemm wiar se ienfach mett.

Bös strackes önker Klärchen

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 Güös/Gänse, Brodpann/Bratpfanne, Schneelen/Schnecken, Schloot/Salat, dälwen/schwätzen, verstooken/verbrennen, Möschen/Spatzen, Daump/Dampf/Qualm, kräntefießen/nörgeln, Feregen/Urlaub,

Lisettes Standpunkt zur Vornehmheit

von Alma Mühlhausen

Lisette, eine Magd vom alten bergischen Schlag, diente bereits fünf Jahre im Hause eines Exportkaufmanns, als sie erklärte, sich verändern zu wollen. Da man Lisettes Dickschädel kannte und wusste, dass es vergeblich war, das tüchtige Mädchen umzustimmen, musste man es wohl oder übel gehen lassen. Bekannte hatten Lisette auf eine „Stelle" im Hause eines Sägenfabrikanten aufmerksam gemacht und den gediegenen, echt bergisch geführten Haushalt in höchsten Tönen gepriesen. So stellte sich die „Perle" eines Tages dann vor. Die Frau des Hauses, der Lisettes Personalakten hinreichend bekannt waren, besann sich keinen Augenblick, das Mädchen einzustellen. Und was die Lohnfrage betraf, zeigte sich die Fabrikantenfrau großzügiger als die vorige Herrschaft. Schon wurde der Mietstaler bereitgehalten, um, der damaligen Sitte gemäß, den Mietvertrag abzuschließen. Da fragte Lisette: „Madamm, wie is et dann mit dem Ausgang? Auf der vorigen Stelle hatte ich jeden zweiten Sonntag frei."

„Bei uns haben Sie jeden Sonntagnachmittag frei, Lisette. Aber Sie dürfen mich nicht mit Madamm anreden. Das sind vornehme Fisematenten, die bei uns nicht üblich sind. Bei uns geht es ordentlich, aber einfach zu. Die Mädchen werden bei uns zur Familie gerechnet und nehmen auch mit uns die Mahlzeiten ein."

Bei den letzten Worten der Fabrikantenfrau hob Lisette den Kopf mit der schweren Flechtkrone und schaute ihr Gegenüber mit einem undefinierbaren Blick an. „Ne, Madamm, dann is dat nix for mich", erklärte das Mädchen mit einem geringschätzigen Lächeln um den Mund. „Wo et so gewöhnlich hergeht, zieh ich nit hin."

Und bevor die Dame recht verstanden hatte, war Lisette mit einem „Adjöh un nix for ungut" verschwunden. (aus: „Der Heimat zur Ehre. Bergischen Anekdoten und Geschichten“, 1960, von  Alma Mühlhausen. Mit freundlicher Nachdruckgenehmigung der Erbin Erika Kleuser)

Die Granatbrosche, eine Ostergeschichte

von Alma Mühlhausen

„Doris", sagte die alte Frau, mährend sie der Enkelin eine Schmuckkassette hinschob, „suche dir zum morgigen Ostertag etwas Hübsches aus". Freudig überrascht schaute das junge Mädchen auf. „Wenn ich schon wünschen darf, Großmutter, dann möchte ich die Brosche gerne haben, die du am Kleid trägst."

Ein Schatten glitt bei den Worten des jungen Mädchens über das Altfrauengesicht. „Warum muss es dann ausgerechnet die Granatbrosche sein, Doris? Du weißt doch, wie ich an ihr hänge." „Deshalb wird sie mir als Andenken umso teurer sein", sagte Doris und schmiegte ihren blonden Wuschelkopf an die Schulter der Greisin. Doch die alte Frau wehrte ab. „Von dieser Brosche, die ein Ostergeschenk deines verstorbenen Großvaters ist, werde ich mich vor meinem Tode niemals trennen. Sie ist mir mehr als nur ein Schmuckstück". „Dann hat die Brosche vielleicht ihre Geschichte, Großmutter?" „Ja, Kind, die hat sie..."

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Der „doll Albett“

Ich höre Leierkastenlieder
und seh' den Spielmann vor mir steh'n.
Ich sehe ihn wie früher wieder
die kleine schwärze Orgel dreh'n .. .

von Alma Mühlhausen

Es ist schon lange her, dass Albert Schneider, von Alt und Jung „Doll Albett" genannt, über die bergischen Straßen zog und seine Weisen orgelte. Albert entstammte einer braven Besenbinderfamilie, die am Halzenberg bei Dhünn wohnte. Als junger Bursche kam er nach Remscheid und fand in der Ammeltschmiede beim Eduard Engels in Bliedinghausen Arbeit. Die Familie Engels gab sich redliche Mühe, Albert zu einem brauchbaren Arbeiter heranzubilden. Das Idiotenhafte in Albert aber vereitelte jede Erziehungsmöglichkeit.

Einen „Spleen" hatte Albert, der zur Groteske wurde: eine jede der fünf Töchter Eduard Engels wollte er heiraten. Sobald eins der Mädchen heiratete, warf Albert den Hammer hin und verschwand für einige Zeit. Als das letzte Mädchen Hochzeit hatte, trieb sich der Enttäuschte wochenlang in den Wäldern umher und kam zerlumpt und halb verhungert wieder zum Vorschein. Die Schmiede aber betrat er nicht mehr. Er verlegte sich aufs Besenbinden. Einen Stall in der Nähe der Familie Engels räumte er sich als Wohnung ein. Von da an datiert meine Bekanntschaft mit dem „Dollen Albett".Eines Sonntagsmorgens wurde die Familie Engels mitsamt der Nachbarschaft aus dem Schlaf geweckt. Da stand Albert, eine kleine schwarze Orgel drehend, vor den Fenstern des alten Bürgerhauses und grinste stolz und pfiffig hinauf. Heimlich hatte er sich das Geld für die Orgel, einen frühen Jugendtraum, erspart. Und der Orgel hat er auch seine ulkige Berühmtheit zu verdanken. Da war zuerst das Heim Alberts. Aufgeschüttetes Heu diente als Lagerstatt. Wurst, Brot, Käse, Heringe, Speck und sonstige Essbaren hingen an Bindfäden unter der schwarzen Stalldecke. Als ich ihn einmal fragte, warum er das mache, grinste er. „Müs, Müs" (Mäuse}. Das Abgehackte war so seine Sprechart.

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Bergische Hochzeit in alter Zeit

von Alma Mühlhausen 

Ech wi'et noch wie du sonndaas kohms tom i'eschten Mol ent Hus, on op dr Bank dann Platze nohms bie mir tom stellen Schmus ...

Vor 60 bis 80 Jahren, als das Wohnungsproblem noch leicht zu lösen war, und seine Majestät das Wohnungsamt, noch nicht regierte, hatten es die jun­gen Leute durchaus nicht so schwierig wie heute, einen Hausstand in eigener Wohnung zu gründen. Auch das seufzerumrahmte Wort „Baukostenzuschuss" belastete noch nicht die Gemüter. Und doch, liebe Jugend, würdest du lächeln über die Zumutung, auf nachstehend geschilderte Weise deinen Hausstand aufzubauen. Daher höre einmal zu, wenn ich dir die „Fre'itied" und die Heimausstattung deiner Vorfahren schildere.

Meistens fing es so an: Auf einem Turn- oder Feuerwehrfest hatten sie sich kennengelernt und Gefallen aneinander gefunden. Und „Er" sowie „Et" trafen sich in der Folgezeit heimlich. Doch diese Heimlichkeit war nicht von Dauer. Die Sache wurde „lubber" und das Getuschel drang bis zu den Ohren der Eltern des Mädchens. Nun musste „Et" Farbe bekennen und den „Jongen" mitbringen. Der wurde uon der „Motter" scharf unter die Lupe genommen. (Ganz wie heute.} Der „Vatter" hatte gerade seinen „Ennonger" gehalten und saß nun zeitunglesend in der Ofenecke, als ihm der junge Mann vor-gestellt wurde. Ein scharfer, musternder Blick durch die Brillengläser, ein Nicken, dann vertiefte sich der „Aul" wieder in seine Zeitungslektüre.

Inzwischen hatte die „Motter" den Kaffeetisch gedeckt, und bald saß man ge­mütlich beisammen, der Freiersmann wurde unaufhörlich „tom Tuotasten" genötigt. Dabei unterließ es die angehende Schwiegermutter nicht, den „Jongen" darauf hinzuweisen, „dat Et die Waffeln und den Riesbre'i" hergestellt hatte.

Nach dem Kaffeetrinken saßen die jungen Leute nebeneinander auf der Lehnebank. Ein Kanapee sah man damals noch selten in den Stuben unserer Vorfahren. Das war in alter Zeit noch ein Luxusgegenstand. So ging der Sonntagnachmittag unter Erzählen und Fragen aller Art dahin. Die Mutter achtete streng darauf, „dat sech dat We'it niks te schuolen kuomen li'et", musste man doch nicht, wie die Sache auslief.

„Die Motter li'et us nit alleng. Sie troud'n us Tweien nit. Ogott, wat deit die Motter kleng, us Si'el, die wor su witt..."
Bis zum Abendessen konnte der junge Mann bleiben. Dann durfte ihn das Mädchen bis an die Haustüre begleiten. Und dieses kurze Beisammensein entschädigte die beiden für den Nachmittag, der unter mütterlicher Kontrolle gestanden hatte.

 

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Dat iss alles de Olk schuld

Nää wat habt ihr lang nix mieer vam Klärchen te hüören gekregen. Ett würd mal wedder Tied datt ech önk vertell watt miar in där Tüschentied alles passiert ess.

De Kaal wuald in de kaulen Tied mal wedder enn ordentliche Tipp-Zaus mit völl Olk und enn dekken Huopen Quällmänn dobbie. Ech hang emm dann den Gefallen jedonn, evver da ech nur iean Döppken mett saultrigen Härengker gekregen har, hann ech völl Olk do rinn jedonn. Drai Dag trekken looten. Dann enn ordentlichen Kump mett Quällmänn dobie. Nää watt woar datt lecker. Iegentlech muss ech vüörsechtig sinn mett dem Olk, evver ech har suan Schmeit, datt ech mech nitt tesamenriaten kuan.  Datt dick End kuam später.

Noh demm Meddacheeten hann ech denn Kaal jetrietzt, datt hä mett miar nomm ieankoopen fuhr. Datt woar emm nech reite, evver wenn datt Klärchen datt aansait dann wüard datt och jemakkt.

Ech in datt Ottemobil unn mit mienäm Schafför, dem Kaal,  nom Edeka. Ongerwechs woar minn Buck am rumuoren wie in enn Rommelsfaat. Na ja, deit ech suu, datt ess de Olk datt gitt gliek wech.

Wie wiar anjekuamen sind opp dem Parkplatz vam Edeka woar ett dann arch am rumuoren in demm Geschlöngels. Ech seit tum Kaal bliev in de Karre setten, ech hol nur ett Nüödigste unn dann schier nohieme. Ech binn dann in datt Geschäft unn hann flott ienjekuopt. Ech woar watt iealig har mett enn paar Lüdden enn Krambolaasch und bin flott an de Kasse. Mettlerweile woar miar schroüowel, unn mian Geschlöngels dangsten Polka. Ech hann mech arch verkniepen, unn han schier mian Geschräbbels binienjepackt unn ruut uut demm Laden.

Nur noch biss nom Kaal in datt Ottemobil deit ech und har enn knallruoaten Kappes füör lauder Anstrengkeng. De Rettenk parkt nech wiat.Schier in datt Auto unn dann woar miar datt och ejal. Enn ordentlechen Fuaz mett völl Galm. Ech kuan ett nech miar ienghollen.

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Kindtaufe mit verstopfter Dröppelmina

von Alma Mühlhausen

Im Hause des Kleinfabrikanten Anton H. roch es vom Speicher bis hinab zur Deel nach frischgeschrubbten Brettern und schwarzer Seife. Da es ein gewöhnlicher Werktag war, deutete dies auf ein festliches Ereignis hin. Und wer einen Blick in die große Staatstuov warf, konnte feststellen, dass hier eine Kindtaufe stattfinden sollte. Auf den mit schneeweißem Linnen behängten Tischen, auf denen die herrlichsten Genüsse aus Selbstgebackenem standen, thronte an der Kopfseite des ersten Tisches der traditionelle, von einem Konditor gebackene Königskuchen, der als Zierde in der Mitte einen Zucker-Klapperstorch zeigte. Es war vielfach Sitte, dass jeder geladene Gast sich nur ein Stück davon nehmen durfte. Mehr davon nehmen, verstieß gegen die ber­gische Sitte.

Der Taufvater, der seinen ehemaligen Hochzeitsanzug schon bei den Taufen seiner fünf Sprösslinge getragen hatte, kam sich, da er inzwischen sehr in die Breite gegangen war, in dem Diel zu engen Schleppenkamisohl wie in einer Zwangsjacke vor. Bei jeder Bewegung krachte es in den Nähten, als würde eine Geigensaite misshandelt. Wütend hatte der Anton eben noch seiner Mathilde erklärt, dass es beim sechsten Sprössling mit der Nachkommenschaft endgültig Schluss wäre, da er sich für einen siebten keinen neuen Anzug leisten wolle. Frau Mathilde, die soeben nach gründlicher Säuberung die drei ältesten der wie Orgelpfeifen aufgewachsenen Kinder „Staats" gemacht hatte, nickte zu dieser Äußerung bejahend und befriedigt. Nachdem die Mutter den Kindern noch eingeschärft hatte, dass sie nicht mehr als ein einziges Stück von dem Königskuchen nehmen dürften, brachte sie die drei dann auf ihre Plätze am Tisch.

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Der Hardtpark und Haus Kölner Straße 40

von Dr. Wilhelm R. Schmidt

Hin und wieder sind wir bei unseren Erinnerungen an das „Alte Lennep“ auf den Hardtpark gestoßen und auf dort auf die einstige Kastanienallee dort, die aber manche von uns Älteren noch erlebt haben. Die kräftigen Frühjahrsstürme, die auch in unserer Zeit über das Bergische Land hinwegfegen, haben, wie auch jetzt in Lennep mehrfach geschehen, früher schon Bäume entwurzelt, und sie haben gelegentlich auch die Volksseele erhitzt. In der Nacht vom 25. auf den 26. Januar 1990 etwa, als in Lennep eine riesige Kastanie im Hardtpark umstürzte, entbrannte eine heiße Diskussion um die Zukunft der Allee und des ganzen Parks. Heute, wo sich auf dem Areal des ehemaligen Karstadt-Hertie-Ensembles gerade erst wieder große Veränderungen ergeben haben, erscheint die Geschichte vor Ort erneut interessant, auch weil viele Lenneper/innen gar nicht mehr wissen, warum der Hardtpark überhaupt Hardtpark heißt und was seine Geschichte ist.

„Das Haus Kölner Straße 40 und seine Bewohner” ist Titel einer historischen Schilderung, die Gerda Berchtenbreiter, geb. Hardt (1902-1986), Heiligabend 1971, ein Jahr vor dem Abriss des Hauses, den „Nachkommen Hermann Hardt sen. und Louise Bauendahl" widmete. Sie berichtet dort auf 25 maschinenschriftlichen Seiten aus ihrer Kindheit, die eng mit dem Hardtpark und der früheren Hardtvilla an der Kölner Straße verbunden ist.

Das Haus Kölner Straße 40 war 1846 von Adolph Bauendahl direkt neben seinem Fabrikgebäude erbaut worden, das sich an der heutigen Ecke der Kölner und der Wupperstraße befand. Die familiäre Verbindung zwischen den Bauendahls und Hardts geht auf die Heirat der Tochter Louise von Adolph Bauendahl jun. mit dem jüngsten Bruder Hermann von Albert und Friedrich Hardt zurück. Gerda Berchtenbreiter beschrieb als Mitglied der späteren Familie Hardt das Haus als in dem Stil gebaut, wie er damals bei vornehmen Häusern im Bergischen wohl üblich war: es hatte ein ziemlich flaches Vollwalmdach, zwei Stockwerke und eine Fünf-Fenster-Front. Es war nicht geschiefert und von vornherein weiß gestrichen. Die Stockwerkhöhe war höher als sonst üblich. Das Haus hatte offensichtlich keinen Mittelgiebel, zumindest zeigte die schwere Dachbalken- Konstruktion keine Spuren davon. Das Haus lag am Hang von der Kölner Straße nach hinten zum heutigen Hardtpark hin, auf der Rückseite befanden sich die Keller zu ebener Erde. Das Gebäude war nur teilunterkellert; erst später wurde ein zusätzlicher Keller zur Kölner Straße hin gebaut. Er war durch eine Tür vom vorhandenen Keller aus zu erreichen. Zur Küche, die ebenfalls zum Garten hin lag, führte eine Treppe hinauf.

In der historischen Küche befand sich ein großer quadratischer Schüttstein aus Schiefer, der früher in keinem Lenneper Haus fehlte. Er blieb dort auch bestehen, als die Küche längst zu einer Diele umfunktioniert war. Die Pumpe mit einem S-förmigen Schwengel trug einen großen runden Kupferkopf. Pumpe und Schüttstein blieben auch erhalten, als Lennep schon längst über eine Stadtwasserleitung verfügte, denn die Lenneper waren vorsichtige Leute und verließen sich mehr auf ihre hauseigene Brunnen und deren Zuverlässigkeit. Die Quelle zur Pumpe lag direkt unterhalb im Keller und war nur durch einen aufgelegten Wasserdeckel verschlossen, wie dies selbst heute noch in der Umgegend und in Lennep überhaupt in historischen Häusern oft anzutreffen ist. Auf dem Gelände gab es übrigens noch einen zweiten Brunnen, oberhalb des Gebäudes an einer Trauer-Esche. Dort liefen in einer Tiefe von elf Metern sieben Quellen zusammen.

1860 verlegte Adolph Bauendahl seinen Wohnsitz nach Lukkenwalde südlich von Berlin. Zwei Jahre später kaufte die Firma Johann Wülfing & Sohn das Haus Kölner Straße 40 und die daneben befindlichen Bauendahlschen Fabrikgebäude. Nach dem Fortzug seines Schwiegervaters, so schreibt Gerda Berchtenbreiter, muss Hermann Hardt mit Frau Louise an die Kölner Straße gezogen sein. Das Fünf-Fenster-Haus blieb zunächst unverändert bestehen. Auf der linken Seite blieb die Fabrik, auf der anderen der Pferdestall, der direkt an das Haus anschloss.

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