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„Begegnungen schaffen, Vorurteile abbauen!“

Bei musikalischer Untermalung durch südamerikanische Panflötenspieler suchten am Samstagmittag vor dem Allee-Center Mitglieder der Islamischen Gemeinschaft Millî Görüş (IGMG) mit roten Rosen das Gespräch mit Passanten – „“Gestatten Muslim!“ Europaweit waren mehr als eintausend ehrenamtliche Muslime auf rund 200 Plätzen und Fußgängerzonen unterwegs unter dem Motto „Begegnungen schaffen, „Vorurteile abbauen“. Und auch an dem Info-Stand auf der Alleestraße“ lagen Broschüren aus, in denen unter anderem erklärt wurde, warum der direkte Kontakt und der Austausch wichtig sind für das Zusammenwachsen der Gesellschaft. Initiiert und konzeptioniert wurde die Aktion „Gestatten, Muslim!“ von der IGMG erstmals im Jahr 2015. In diesem Jahr beteiligten sich in Deutschland 106 örtlichen Moscheegemeinden, darunter auch die in Remscheid, Solingen und Wuppertal. Einzelheiten im Video von Cihan Ersoy (21).

Geld für leckere Waffeln geht an Möhrchen

Es gibt Kinder, die ohne Frühstück zur Schule gehen und erst am Nachmittag etwas zu essen bekommen. Der Verein Möhrchen macht es möglich, dass jedes Grundschulkind in Remscheid Frühstück und ein warmes Mittagessen bekommt. Deshalb hatte die alevitische Gemeinde Remscheid, Lenneper Str. 1, gestern Nachmittag auch in diesem Jahr wieder Mitglieder und Freunde zum Waffelessen eingeladen. Denn Möhrchen braucht jedes Jahr aufs Neue finanzielle Unterstützung. Bircan Aslan: „Das Geld geht 100 Prozent an Möhrchen!“ Und wer die Waffeln mit Kirschen und Sahne schon bei der ersten Benefizaktion zugunsten von Möhrchen probiert hatte, kam gestern gerne wieder.

Musik im Friseurladen mit Bettina Schmuck

Bettina Schmuck, Saxophonistin.

Pressemitteilung des Caritasverbandes Remscheid e. V.

Bettina Schmuck gilt als eine der emotionalsten und ausdrucksstärksten Saxophonistinnen Deutschlands. Facetten der musikalischen Improvisation erlernte sie u. a. von dem Klarinettisten und Jazz-Musiker Theo Jörgensmann, der als Protagonist des „Modern Creative“ Stils gilt.

Mit „Jazz-Music & Bossa Nova“ eröffnet sie am Freitag, 13. April, 19 Uhr, Eintritt frei, die kleine Konzert- und Erzählreihe „Komm, setz Dich zu uns! Wir hören Musik und Geschichten aus aller Welt“ des Caritasverbandes. Diese bietet Künstlern aus der Region und aus anderen Kulturkreisen eine gemeinsame Bühne in Remscheider Treffpunkten. Die Darbietungen sind dort angesiedelt, wo man sie am wenigsten erwartet – Kultur ist nicht exklusiv.

Im Friseursalon der Brüder Ikikardes („Two Brothers“) in Lennep, Kölner Str. 38, trifft die Solo-Saxophonistin aus Essen auf den Flötisten Mehman Nuriyev aus Aserbaidschan und den Percussionisten Naser Al Khatib aus Syrien. Besucher*innen können sich auf einen ungewöhnlichen Salonabend freuen – ungeprobt, ad hoc und unplugged. (Ursula Lauterjung)

„Kultur-Tödder am Abend“ auf dem Honsberg

Pressemitteilung der Stadt Remscheid

„Tödder“ oder auch regional „Tötter“ ist bergisches Platt und heißt auf Hochdeutsch „Plausch“. „Kultur-Tödder am Abend“ ist ein Netzwerktreffen für alle Kulturschaffenden im Bergischen Land: Künstlerinnen und Künstler, Vertreterinnen und Vertreter von Kulturinstitutionen, Vereinen und Kommunen, Kulturprofis wie ehrenamtlich Engagierte. Im April findet diese Veranstaltung in Remscheid statt, und zwar am Dienstag, 17. April, von 19 bis 21 Uhr beim Verein „Ins Blaue“, Siemensstraße 21-23, auf dem Honsberg. Dort haben unterschiedlichste Künstlerinnen und Künstler aus einem unbewohnten Straßenzug das Künstlerviertel „Ins Blaue“ geschaffen. Es entstanden Ateliers, eine Galerie, Probenräume und eine Musik- und Kunstschule. Katja Wickert, eine der Initiatoren des Projektes, stellt das Künstlerquartier vor und berichtet mit weiteren Künstlerkollegen vom Projekt „Neue Musik im Bergischen Land“, das aktuell im Aufbau ist. Bei Getränken und Laugengebäck können die Anwesenden anschließend miteinander ins Gespräch kommen.

Die Veranstaltung findet im Rahmen der Kulturwerkstatt der Regionalen Kulturpolitik Bergisches Land statt. Die Kulturwerkstatt ist ein Weiterbildungsangebot für alle Kulturschaffenden im Bergischen Land. Durch die Unterstützung des Landes NRW und der bergischen Städte und Kreise kann die Veranstaltung unentgeltlich angeboten werden. Um Anmeldung wird gebeten bis zum 13. April unter E-Mail info@kulturbergischesland.

 

Ostereier in Hülle und Fülle in ganz Remscheid

Ostereier in Hülle und Fülle hielten am Samstag bei angenehmem Frühlingswetter SPD und Arbeiterwohlfahrt gleich in mehreren Remscheider Stadtteilen für Jung und Alt parat. Der SPD-Ortsverein Hasten verband seine Aktion vor dem Teo Otto Theater mit der Frage an Passanten, ob sie sich Sitzmöglichkeiten vor dem Theater wünschen würden. Mitglieder des SPD-Ortsvereins Lüttringhausen verteilten die kleinen Oster-Grüße vor dem Lüttringhauser Rathaus, und reges Treiben herrschte zur gleichen Zeit im Rosengarten an der Wupperstraße in Lennep. Dorthin hatten die Arbeiterwohlfahrt Lennep-Lüttringhausen und der SPD-Ortsverein Lennep eingeladen. Kaum unter ersten jungen Grün versteckt, waren die Ostereier aus Plastik auch schon gefunden und wurden kurz darauf von Katharina Janotta, Rosana Barcala und Jürgen Kucharczyk gegen echte gefärbte Eier und solche aus Schokolade eingetauscht.

Am Samstagnachmittag folgte eine weitere Ostereisersuche auf dem Konsum-Terrassen am Rosenhügel, veranstaltet vom Bürgerverein Rosenhügel und dem AWO-Ortsverein Süd. Pech hatten diesmal die Jusos der Remscheider SPD. Ihre Ostereiersuche am Sonntag ab 11 Uhr im Remscheider Stadtpark war nur etwas für Wetterfeste (mit Regenschirm). „Die Aktion findet bei Wind und Wetter statt“, hatten die Jusos wohlweislich angekündigt. Im Waterbölles-Video: Ostereiersuche im Lenneper Rosengarten und auf den Konsum-Terrassen auf dem Rosenhügel.

Jazz-Erlös hilft, Brücke zum Ehrenamt zu bauen


Über die Brücke zu einem Ehrenamt“, titelte der Waterbölles am
8. Dezember 2017, nachdem die Freiwilligenzentrale für Remscheid – Die Brücke e.V. einen neuen Vorstand gewählt hatte: 1. Vorsitzende Annette Potthoff, 2. Vorsitzende Christa Hellmann, Schatzmeisterin Rosina Wastl, Beisitzer Evelyn Müller, Dieter Janke, Ralf Noll und Martin Rogalla. Berater: Thomas Köppchen, Stadt Remscheid. Er war gestern Mittag in der Geschäfts- und Beratungsstelle Alte Bismarckstr. 8 fast vollzählig erschienen, um dem Rotary-Club Remscheid Dank zu sagen. Denn der hatte den Erlös seiner ersten Jazzmatinee vom 4. März in der Schalterhalle der Stadtsparkasse Remscheid dazu bestimmt, das Ehrenamt zu fördern. Und was lag da näher, als die stattlichen 11.050 Euro, die der „Swing-Jazz der Extraklasse“ an jenem Sonntag in die Vereinskasse 'gespielt' hatte, an den Verein der „Brückenbauer“ weiterzugeben, der vor fast zehn Jahren als „Freiwilligenzentrale“ aus der Taufe gehoben worden ist.

Seitdem vermittelt die Brücke e.V. das vielfältige freiwillige Engagement der Bürgerinnen und Bürger von Remscheid für Remscheider. „Wir sind auf einem guten Weg, aber noch nicht am Ziel“, sagte gestern Beisitzer Dieter Janke. Da kann die Finanzspritze der Rotarier nur hilfreich sein. Denn mit derzeit sechs Team-Mitgliedern - es waren mal neun! - lassen sich zwar die Sprechstunden in der Geschäftsstelle ehrenamtlich besetzen, mehr aber auch nicht (mehr). „Wir können Verstärkung gut gebrauchen“, betonte denn auch Annette Potthoff. Denn mit weiteren Ehrenamtlichen könnte der Verein auch in Schulen und Firmen aktiv für soziales Engagement werben.

Dafür soll ein Konzept entwickelt werden, hat der Vorstand mit den Rotariern verabredet, die die „Brücke“ auch künftig im Blick behalten wollen. Einig ist man sich, dass nicht nur die 30- bis 40-jährigen Remscheider angesprochen werden sollen, sondern auch Schülerinnen und Schüler. Denn gerade für diese könnte sich aus ehrenamtlicher Arbeit eine „Win-Win-Situation“ ergeben bei der Ausbildung, dem späteren Studium oder im Beruf. Sparkassenvorstand Michael Wellershaus konnte gestern bestätigen, dass Unternehmer bei Stellenbesetzungen zunehmend nach dem sozialen Engagement der Bewerber/innen fragen. Rotarier Michael Birker: „Das ist in unserer Gesellschaft in vielen Bereichen längst unverzichtbar!“ Deshalb habe sich der Rotary-Club Remscheid dafür entschieden, die Freiwilligenzentrale Remscheid nachhaltig und langfristig zu fördern. Und Annette Potthoff sah darin auch ein Zeichen der Wertschätzung für die Arbeit der „Brücke“. Die Spende könne helfen, „die richtigen Leute zusammenzubringen“, meinte Wilhelm Mertens, der amtierende Präsident der Remscheider Rotarier. Je größer das Netzwerk, desto besser! Auch mit Hilfe junger Leute. Dass das Diakonische Werk (gegenüber) mit seiner „Taschengeldbörse“ gute Erfahrungen gemacht habe, betonte Pfarrer Martin Rogalla.

Wer mit guten Argumenten überzeugen will, kann auf Kenntnisse in Gesprächsführung nicht verzichten. Deshalb soll die Spende der Rotarier auch zur internen Qualifizierung der ehrenamtlichen Mitarbeiter eingesetzt werden, wie die Vorsitzende berichtete. Auf die Gespräche mit Bürger/innen, die wegen eines Ehrenamtes nachfragen, lege man schon jetzt großen Wert. „Wir ziehen keine Karteikarte aus dem Kasten, sondern fragen erst einmal ‚Was können Sie, wo möchten Sie helfen und wie viel Zeit bringen Sie mit?‘“ Wichtig sei aber auch, ergänzte Dieter Janke, dass ein Ehrenamt Spaß machen müsse.

Rosina Wastl hat die Erfahrung gemacht, dass es mit der Vermittlung eines Ehrenamtes nicht getan ist, sondern dass es auch sehr auf die Betreuung ankommt („Die Brücke als Wegbegleiter“). Auch deshalb täte dem Verein Verstärkung gut. Eine interessante Aufgabe für Menschen, die das Berufsleben schon hinter sich haben und aus ihrem Erfahrungssatz schöpfen können. „Für junge Leute bietet sich da eher zeitlich begrenzte Projektarbeit an“, sagte gestern Michael Birker, pensionierter Leiter des Gertrud-Bäumer-Gymnasiums. Der Rotarier weiß, dass heutzutage weit weniger Jugendliche als früher an Parteipolitik interessiert sind, wohl aber an Politik. Hierüber lasse sich in den Schulen auch das Interesse an persönlicher ehrenamtlicher Arbeit wecken. Und vielleicht gelingt das künftig bei neun (G9 statt acht) Schuljahren in den Gymnasien ja noch besser ...

Seele in Not e.V. für „Experten in eigener Sache“

Depression ist ein beängstigender und kräftezehrender Zustand. Viele der Betroffenen und ihre Angehörigen haben Angst davor, über ihre Probleme zu reden. Doch Depressionen können verhindert werden, wenn man sie behandelt. Eine Depression zu erkennen und sich Hilfe zu suchen, ist der erste und wichtigste Schritt zur Besserung. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO () macht darauf gemeinsam mit dem Schriftsteller und Zeichner Matthew Johnstone in der Geschichte „I had a black dog“ aufmerksam. Seele in Not e. V., Hindenburgstraße, zeigte den Film, den Sprecher Andreas Sparberg und der Verein Freunde fürs Leben e.V. ins Deutsche übersetzt und bei YouTube eingestellt hat, am Donnerstag in der Sitzung des städtischen Integrationsrates.

Monika Erdmeier, die Vorsitzende des Verein “Seele in Not“ e.V.“, der im Haus  Hindenburgstr. 10 eine Beratungsstelle für Menschen mit psychischen Erkrankungen unterhält und das „Café MoccaSiN“ (zur Zeit geöffnet sonntags und an Feiertagen von 9 bis 18 Uhr
und an Veranstaltungstagen /Fotos links), hatte am vergangenen Donnertag im städtischen Integrationsrat Gelegenheit, den Verein und seine Arbeit vorzustellen. Dabei zeigte sich, dass der Verein, obwohl schon 2001 aus der Selbsthilfegruppenarbeit von Betroffenen und Angehörigen hervorgegangen, nicht allen Beiratsmitgliedern bekannt war. „Nicht jedes Problem ist bereits eine psychische Krankheit“, betonte Erdmeier. Deshalb seien den zwanzig ehrenamtlichen Berater/innen generell „Menschen in schwierigen Situationen“ willkommen, ebenso deren Angehörige, mit anderen Worten: Menschen mit einer psychischen Erkrankung oder Behinderung oder solche, die davon bedroht sind. Diesen werde geholfen, zu „Experten in eigener Sache“ zu werden, führte Monika Erdmeier aus.

Dabei bildeten Fachkräfte, Betroffene und Angehörige ein „empathisches, trialogisches Team auf Augenhöhe“. Das Ziel: Soviel Unterstützung wie nötig und so wenig fremde Hilfe wie möglich bei weitestgehend selbstbestimmter Lebensführung. Die Experten sind dabei sowohl die Fachkräfte als auch die Betroffene selbst – die Einen mit erlernter, die Anderen mit durch Leid erworbener Kompetenz. Gemeinsam arbeiten sie daran, dass psychische Störungen oder Behinderungen den weiteren Lebensweg nicht beherrschen. Das verdeutlichte das YouTube-Video "Ich hatte einen schwarzen Hund", das Monika Erdmeier und Markus Pickhardt, der ausgebildete „Ex-In Genesungsbegleiter“ des Vereins, in der Sitzung zeigten. Ein Film, der bei Menschen, die unter Depressionen leiden, Hoffnungen wecken kann!

Der Verein “Seele in Not“ e.V.“
ist  telefonisch unter den Rufnummern RS 2919 90 und RS 5894852 zu erreichen sowie über E-Mail info@seele-in-not-ev.de">info@seele-in-not-ev.de.

Das Café MoccaSiN ist der zentraler Treffpunkt der Vereinsmitglieder. Hier können sie bei einer Tasse Kaffee, Cappuccino oder Latte Macchiato und/oder einem Stück selbstgebackenen Kuchens „die Seele baumeln lassen“, andere Menschen mit und ohne Behinderung kennenlernen, sich zu Vorträgen und in Selbsthilfegruppen treffen oder ihre Freizeit in Kurse in eigener Regie bzw. unter Anleitung gestalten. Monika Erdmeier: „Das Café MoccaSiN ist eine Kontakt- und Begegnungsstätte mit integrativem Charakter und einer öffentlichen Caféhausatmosphäre! Hier sind alle willkommen, die neugierig auf Neues sind, die Interesse an den Menschen haben und die helfen wollen.“ Dort zeigt auch die Malgruppe des Vereins, die von Susanne Reichmann geleitet wird, ihre Werke – in den verschiedensten Kunstrichtungen und  Maltechniken (zu sehen alljährlich auch bei der „Nacht der Kultur“).

 

 

Treffen der Skoliose-Selbsthilfegruppe

Am Dienstag, 27. März, findet der nächste Infoabend der Skoliose-Selbsthilfegruppe (SHG) für das Bergische Land in Remscheid im Seniorenzentrum "Alloheim", Burger Straße 193  von 18 bis 20 Uhr statt. Wir möchten alle von Skoliose Betroffenen ansprechen und einladen, vor allem aber auch Eltern von betroffenen Kindern und Jugendlichen die Möglichkeit bieten, sich über Skoliose zu informieren. Selbstverständlich sind auch Kinder und Jugendliche eingeladen, an unserer Gesprächsrunde teilzunehmen. Sicherlich gibt es viele Fragen zu Therapien, Korsett und als letzte Möglichkeit auch die Operation. Wir bemühen uns, Ihnen die gewünschten Informationen zu geben. Skoliose ist eine seitliche Verbiegung mit gleichzeitiger Rotation der Wirbelsäule. Es gibt mehrere Ursachen, sie kann im Wachstum bei Kindern auftreten, bei Mädchen häufiger als bei Jungens. Eine frühzeitige Erkennung und gezielte fachliche Therapie kann eine Verschlechterung verhindern, oder gar eine Verbesserung der Verkrümmung erreichen. Wir bieten Informationen über konservative und operative Therapien und Erfahrungsaustausch an. Info unter: www.skolioseselbsthilfe.de,  www.bundesverband-skoliose.de,  Mail: shgbergischland@online.de">shgbergischland@online.de. (Klaus Bothe)

 

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Diskussion zu fragwürdigen Änderungen zum TVgG

von Wolfgang Rau

„Fallstrick für Kommunen, Nachhaltigkeit, Ökologe, Arbeits- und Menschenrecht“, könnte das Fazit einer Veranstaltung zum Entfesselungspaket der Landesregierung sein, zu der die der Katholische Arbeitnehmer-Bewegung (KAB) eingeladen hatte. Am Vorabend der gestrigen Verabschiedung des Entfesselungspaketes zum Bürokratieabbau durch den Landtag diskutierten Interessierte im „Fairtrade Town Remscheid“ die mit dem Entfesselungspaket verbundenen Änderungen zum Tariftreue und Vergabegesetzes (TVgG) NRW. Das nun verabschiedete Entfesselungspaket nimmt den bestehenden verbindlichen ökologischen und sozialen Standard (wie die der Internationalen Arbeitsorganisation, ILO Genf) für öffentliche Auftragsvergabe wieder zurück. Mit dem TVgG war NRW vor über einem Jahr beispielhaft für andere Bundesländer, die inzwischen das Konzept übernahmen. Jürgen Sokoll vom „Eine Welt Netzwerk NRW“ zeigt im Einführungsreferat vier fragwürdige Aspekte der Neuregelungen auf:

  • Freiwilligkeit statt Verpflichtung beim Nachweis der Einhaltung von Umwelt- und Sozialstandards entlang der Lieferkette bei der öffentlichen Auftragsvergabe. Der staatlichen Vorbildfunktion wird damit nicht genügt.
  • Bürokratieabbau ist grundsätzlich zu begrüßen. Im Fall des TVgG gab es aber bisher wegen der kurzen Gültigkeit keine Auswertung der bürokratischen Konsequenzen des Gesetzes. Zumal die Einführung einer Beratungsstelle und von Weiterbildungsmaßnahmen damit gekoppelt waren und es somit Hilfestellung für die Umsetzung gab.
  • Wirkungen konnte das TVgG bislang noch nicht entfalten, was aber kein Grund darstellt, z. B. die von Deutschland unterzeichneten ILO-Kernarbeitsnormen als Vergabekriterium zu streichen.
  • Freier und gleicher Wettbewerb wird durch die neue Gesetzeslage nur vordergründig möglich. Unternehmen, die eine zertifizierte Lieferkette nachweisen, können durch den zeitlichen, organisatorischen und finanziellen Input benachteiligt sein.

An der anschließenden Diskussion, die durchaus weitere bedenkenswerte Aspekte erbrachte, beteiligten sic h u.a. Jutta Velte (Grüne) und Sven Wolf (SPD), deren rot-grüne Landesregierung das TVgG auf den Weg gebracht hatte, und Fritz Beinersdorf von den Linken. Unterstrichen wurde in der Diskussion, dass entgegen der vehementen Zustimmung rückwärtsgewandter Verbandsfunktionäre zum Entfesselungspaket die Arbeitsebene in den Verwaltungen schon in der Zukunft angekommen war und die Ausschreibungs- und Vergabeverfahren nach dem TVgG weitgehend Routine waren. Nicht zuletzt durch die begleitenden Serviceangebote für die Mitarbeiter der öffentlichen Verwaltungen.

Die Neuregelung wird die Bieter und Kommunen vor neue Probleme stellen. Jede Kommune für sich muss jetzt neue Kriterien für die Vergabe entwickeln und in den Gremien verabschieden, da die landesweiten verbindlichen Vorgaben entfallen. Die Bieter finden zukünftig für Kommunen völlig unterschiedliche Ausschreibungskriterien /-formulare vor, die erhöhten Aufwand erfordern. Die Diskussionsrunde hatte den Eindruck, dass hier mal wieder aus ideologischen Gründen das Kind mit dem Bade ausgeschüttet worden sei und man sich aus übergreifend zwingenden Vorgaben von der bisherigen Regelung verabschiedet habe. Nachhaltigkeitsaspekte in der Beschaffung sollten aus Sicht der Veranstaltungsbesucher von der Landesregierung in nachhaltige Vergabevorgängen des Landes, die auch menschenrechtliche Aspekte beinhalten, beispielhaft umgesetzt und öffentlich kommuniziert werden.

Start in den größten Kokon der Welt

Wie lassen sich Vorurteile gegenüber Flüchtlingen wirkungsvoll abbauen? Der deutsch-syrische Autor und Comedian Firas Alshater versuchte am Donnerstagabend, dies in der vollbesetzten Aula der Zentralbibliothek einer erwartungsvollen Zuhörerschaft zu erklären. In Kombination mit einer Serie kurzer, provokativ gestalteter, rechtsradikal ausgerichteter Videoclips machte er Vorurteile sichtbar und führte sie ad absurdum. Aus seiner Autobiografie „Ich komm auf Deutschland“ zu zitierend überzeichnete er witzig und frech seine ersten Eindrücke beim Ankommen in Deutschland, bei den vielen unverständlichen Vorkommnisse in den Ämtern und im Lebensalltag als Flüchtling.

Alshater ist Deutschlands erster „Flüchtlings-YouTuber“ und wurde mit seiner Reihe „ZUKAR-Stückchen“ großen Bevölkerungskreisen bekannt, wobei das erste Video „Wer sind diese Deutschen“ mehr als 2,5-millionenfach angeschaut wurde und TV-Anstalten und überregionale Zeitungen ihm weitere Publizität verschafften. Eindringlich stellte Alshater gestern das Leid in seiner syrischen Heimat anhand seiner eigenen Biografie dar und seine Bemühungen um ein Visum zur Filmproduktion mit dem Produzenten Heilig für den Film „Syria Inside“, der 2013 fertig gestellt wurde: „Papiere? -  Was wollen Sie in Deutschland?- Haben sie Geld dabei?“ von den Fragen des Polizisten bei der Einreise über die Anmerkung eines Jobcenter-Mitarbeiters „Machen Sie bloß kein Studium…machen Sie eine Ausbildung“  - und weiteren zahlreichen Beispielen auf dem Weg zur Integration in die deutsche Gesellschaft verdeutlicht er seine Empfindungen im Aufnahmeland, nicht Gastland, da er nicht „eingeladen“ worden sei. Seine Lesung schloss er gleichwohl mit der Überzeugung ab, dass Integration gelingen kann….

Die kurzweilige, durch eine kleine Pause unterbrochene Lesung schloss nach zwei Stunden mit vielen Nachfragen aus dem Publikum ab. So bestand Interesse nach der Vorgehensweise der syrischen Post bei der Briefzustellung und der Antwort auf die Frage, was man in Deutschland verbessern könnte, um Flüchtlinge besser und schneller zu integrieren und was Humor für ihn bedeute. Fragen nach der Flucht und seinem Wunsch, sich Deutschland unbedingt „anzueignen“, schlossen sich an.

Moderator Wolfgang Luge von den Lütteraten begleitete den Autor, und Helma Ritscher von der Deutsch-Indischen Gesellschaft übereichte kleine Präsente an Autor und Musiker. Einfühlsam musikalisch begleitet wurde die Veranstaltung durch Naser Al Khativ auf der Darbuka, einer im Vorderen Orient und Nordafrika beheimateten Bechertrommel. Die 12.Lesung innerhalb der Interkulturellen Lesereihe wird am 22. November mit einer Lesung des deutsch-bulgarischen Autors Ilija Trojanow („Nacht der Kultur“) fortgesetzt.